Irrationale Märkte – ein Beispiel für den Wahnsinn

Der aktuelle Aktienmarkt ist nichts für Weicheier. Aktuelle geopolitische Krisen feuern immer gerne mal gegen die Märkte. Der wieder aufkeimende Ukraine Konflikt, Zinsängste oder eben der amerikanische Protektionismus stellen dem Aktienmarkt gerne mal ein Bein. Da werden dann gerne mal fundamentale Tatsachen über Bord geworfen und die Emotionen bestimmen über das Depot.

Automobilbranche unter Druck

Ein besonders irrationales Verhalten können wir gerade im Automobilumfeld beobachten. Durch Dieselskandal und Strafzollorgie werden aktuell viele Autobauer weit unter Wert gehandelt. Hinzu kommt der Hype um Elektro. Der Umstieg auf Elektroantriebe wird erstmal viel Geld kosten und die Gewinne der Autobauer in den anstehenden Quartalen belasten. Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sind die Kursrückgänge zunächst einmal ok – jedenfalls solange man das ganze mittelfristig angeht. Keiner weiß so genau, welche Automobilmarke im Bereich Elektro am Ende die Nase vorne hat.

Halbleiteraktien werden abgestraft – doch ihnen gehört die Zukunft

Durch die Krise in der Branche werden Automobilzulieferer jetzt mit in Sippenhaft genommen. Schaeffler, Grammer, Leoni oder ElringKlinger werden mit Richtung Süden geprügelt. Blickt man einen Millimeter über den Tellerrand, wird man schnell merken, dass auch in Elektrofahrzeugen Kabelbäume (Leoni), Sitze (Grammer) und sonstige Fahrzeugelemente (Schaeffler) verbaut sein werden – im Falle Leoni wahrscheinlich mehr als in herkömmlichen Autos. Da ebenfalls nicht davon auszugehen ist, dass ab nächstem Jahr alle Benzin und dieselantriebe verboten werden, dürfte auch der Ersatzteilmarkt für Autos nicht zusammen brechen. ElringKlinger ist hier mit seinen Komponenten für Verbrennungsmotoren sehr gut aufgestellt.

Halbleiter

Halbleiter
Menno Groenmen / freeimages.com

Das absolute Highlight jedoch stellt die Halbleiterbranche dar. Wenn wir davon ausgehen, dass in Auto mit Elektromotor Halbleiter bis zu 1.000 € verbaut werden (das ist doppelt so viel wie in einem Auto mit Verbrennungsmotor), dann sollte alleine aus der Automobilbranche die Nachfrage nach Halbleitern in Zukunft stark steigen. Der deutsche Branchenprimus Infineon hat jüngst genau diese Tendenz bestätigt. Das Unternehmen hat bereits ein übervolles Orderbuch für 2019 in der Tasche. Dennoch zeigt die Infineon Aktie diese Aussichten nicht. Obwohl doch an der Börse die Zukunft gehandelt werden soll, verlor sie fast 30% in den letzten Monaten. Noch krasser sieht es bei der Konkurrenz aus: Micron Technologies aus den USA bekommt man aktuell mit einem KGV von knapp 3, Samsung für den 6 fachen Jahresgewinn.

Warum Halbleiteraktien aus dem Depot werfen?

Grund für den Kursdruck dürfte sein, dass Die Branche wie kaum eine andere als zyklisch angesehen wird: Fällt die Nachfrage, fallen die Preise. Dennoch berichtete Infineon gerade über 35% mehr Gewinn als im Jahr davor. Selbst wenn sich die Konjunktur eintrübt, so bleiben die langfristigen Aussichten dennoch gut bis sehr gut. Gerade die Automobilindustrie ist da eine Schlüsseltechnologie, die die Nachfrage nach Halbleitern steigern wird. Solange die Konjunktursorgen also das einzige Argument bei Halbleitern ist, das aktuell gesehen wird, so lange können weitsichtige Anleger in den Kursen Kaufchancen sehen. Langfristig gesehen, dürfte man mit den Aktien ein Schnäppchen machen.

Kristian Kretschmann

beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Wirtschaft und wurde schnell Fan von Aktien, Aktienfonds und sonstigen Alternativen zum Sparbuch. Auf www.boersenblog.biz veröffentlicht er seine Gedanken zu interessanten Unternehmen, deren Aktien, sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das alles aber immer subjektiv und daher gilt: Alle Inhalte dienen nur zur Unterhaltung und stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzmarktinstrumenten dar. Gemäß §34b WpHG weise ich darauf hin, dass der Autor dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen hält oder halten könnte und somit ein möglicher Interessenkonflikt besteht. Erklärung von in diesem Artikel gebrauchter Börsenbegriffe.

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