So vermeiden Sie Anfängerfehler an der Börse. Interview mit Alexander Wolf

Durch Information kann man viele Anfängerfehler an der Börse vermeiden

Durch Information kann man viele Anfängerfehler an der Börse vermeiden.

Deutschland ist nicht gerade als das Land der Aktionäre bekannt, ganz im Gegenteil: Die Aktienkultur lässt hierzulande sehr zu wünschen übrig. So waren 2014 nach einer Erhebung des Deutsche Aktien Institut (DAI) lediglich 8,4 Millionen Menschen am Aktienmarkt engagiert, Das entspricht gerade einmal 13,1 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahre. Und dabei kehrten rund 500.000 Menschen dem Aktienmarkt sogar den Rücken und verkauften ihre Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Das Geld – so kann man mutmaßen – floss dann in kaum verzinste Produkte, wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten. Das Fatale dabei: Derart konservativ sein Geld anzulegen kostet viel Geld, da Zinserträge fast gar nicht mehr stattfinden.

Warum scheuen die deutschen die Aktie wie der Teufel das Weihwasser?

Man kann sich die Aktienabstinenz nur mit dem übertriebenen Sicherheitsdenken der Deutschen erklären. Ein Volk, das seit Generationen seine Altersvorsorge auf Sparbüchern und Lebensversicherungen aufbaut, scheint die Angst vor der Aktie in seiner DNA zu tragen. Und vererbt diese Angst immer weiter. Kein Wunder also, dass der DAX heute zum größten Teil in der Hand von ausländischen Anlegern ist.

Um den Menschen in Deutschland die Aktie – oder breiter gestreute Anlagen wie Aktienfonds – schmackhaft zu machen, gibt es viele Ansätze z.B. von Banken oder dem oben erwähnten Deutschen Aktien Institut. Aber auch diverse Finanz- und Wirtschaftsblogger haben sich dem Thema verschrieben und geben einen Einblick in die spannende Welt der Märkte. Dabei ist die Herangehensweise so unterschiedlich, wie das Anlageuniversum  Aktienwelt groß. Einen schönen Einblick in die Welt der Finanzblogger gibt Alexander Wolf in seinem eBook „Die 58 besten Finanzseiten“  Darüber Hinaus richtet er sich mit seiner Webseite speziell an interessierte Neu-Börsianer und klärt über die größten  Fallstricke auf dem Weg zum Aktionär auf.

Ich habe mit ihm über seine Erfahrung und seine Tipps für Börseneinsteiger gesprochen.

 

Hallo Alexander. Auf deiner Seite www.aktien-kaufen-fuer-anfaenger.de gibst du wertvolle Tipps, damit sich Anfänger nicht gleich eine blutige Nase an der Börse holen. Klingt, als wenn dir das selbst mal passiert wäre?

Komischerweise eigentlich nicht. Es ist vielmehr so, dass ich immer wieder von Anderen gehört habe, wie sie auf die Nase gefallen sind. Und das meist auf eine Art und Weise, die man mit einfachen Mitteln hätte verhindern können. Zum Beispiel mit dem Setzen von Stoppkursen beim Börsenhandel. Da lassen die Leute sich dazu verleiten, riskante Aktien zu kaufen und setzen dann keine Stopps, wissen oft gar nicht, was das überhaupt ist. Solche Geschichten haben mich dazu bewegt, eine Wissensseite zum Thema Aktien und Börse ins Leben zu rufen. Und zwar eine Seite, die auch die Gefahren und Risiken ausführlich behandelt.

Alexander vom Blog aktien-kaufen-fuer-anfaenger.de

Alexander vom Blog aktien-kaufen-fuer-anfaenger.de

Die Dotcom Blase ist vielen ja noch in guter Erinnerung, aktuell scheint sich das Spiel in China zu wiederholen: Woran liegt es deiner Meinung nach, dass sich immer wieder Blasen an den Märkten bilden? Ist das nur mit Gier zu erklären?

Die festverankerte Gier ist tatsächlich in meinen Augen die Hauptursache. Gepusht wird diese Gier natürlich vor allem auch vom Derivate-Markt. Nicht falsch verstehen, ich verteufle nicht grundsätzlich Derivate. Denn es gibt durchaus auch nützliche Derivateformen. Aber die Derivate-Zockerei scheint in den letzten Jahren irgendwie ausgeartet und es wird irgendwie nichts dagegen getan, um das einzudämmen. Dieses hochspekulative Trading mit CFDs, Forex, Binäre Optionen und Co. heiße ich einfach nicht gut. Diese gefährlichen Anlageinstrumente verleiten viele Anleger dazu, ihre Gier auszuleben. Ohne diese Finanzprodukte wäre die eine oder andere Krise an den Märkten sicher gar nicht erst entstanden.

Was sind deiner Meinung nach die größten Fehler, die man bei der Aktienanlage machen kann und wie sollte man sie umgehen?

Aufgepasst, jetzt hole ich ein paar alteingesessene (Börsen-)Weisheiten raus, aber sie stimmen halt auch einfach: Erstens: Greife nie in ein fallendes Messer! Man sollte also besser nicht in eine Aktie investieren, die seit längerem auf dem absteigenden Ast ist. Oft fällt so eine Aktie noch weiter. Zweitens: Nie alles auf eine Karte setzen! Sprich: Nicht das ganze Geld nur in eine Aktie anlegen. Stattdessen mehrere Aktien kaufen, um das Gesamtrisiko zu verteilen. Drittens: Wissen ist Macht! Ein Fehler ist es in meinen Augen, ohne ein gewisses Grundlagenwissen an der Börse zu handeln. Denn ein Basis-Know-How ist einer der entscheidenden Punkte auf dem Weg zum Börsenerfolg.

Was muss getan werden, damit die Deutschen mehr in renditestärkere Anlagen wie Aktien investieren, statt ihr Geld auf dem Sparbuch versauern zu lassen?

Eine gute Frage Kristian! Denn der Wissensstand der Deutschen beim Thema Finanzen ist irgendwie ein Problemkind. Wie Du schon sagst, legen Viele ihr Geld immer noch auf Sparbüchern an und geben sich mit Mini-Zinsen zufrieden. Ich kann außerdem nur den Kopf schütteln wenn ich lese, dass die Deutschen immer noch Millionen von privaten Rentenversicherungen haben. Dabei gibt es deutlich sinnvollere Möglichkeiten der Altersvorsorge. Meiner Meinung nach liegt die Wurzel des Problems schon in der Schulausbildung. Da lernt man Unmengen an Sachen, die man wahrscheinlich nie mehr im Leben braucht, während Finanzgrundlagen völlig zu kurz kommen. Man müsste versuchen es zu schaffen, dass Leute hierzulande sich wieder vermehrt für die Geldanlage interessieren. Das ist aber leichter gesagt als getan. Ich denke wir mit unseren Finanzblogs leisten schon einen kleinen Beitrag, um die Lage zu verbessern. Aber das reicht nicht aus. Gerade die großen Medien müssten da jedenfalls mehr tun, wie ich finde.

Wie legst du dein Geld an, besitzt du eher Aktien, Aktienfonds, Immobilien oder setzt du auf Anleihen? Wie sehr diversifizierst du dein Depot?

Da ich im Herbst ein Haus baue bzw. bauen lasse (habe mehr oder weniger 2 linke Hände ;-)), bin ich zur Zeit nicht so stark an der Börse aktiv. Daher liegt mein Investment-Fokus momentan hauptsächlich darauf. Eine selbst-bewohnte Immobilie halte ich sowieso für eine sinnvolle Kapitalanlage (ein gewisses Maß an Eigenkapital ist dabei aber wichtig in meinen Augen). Ansonsten ist mir Diversifikation aber sehr wichtig. Auch allgemein sollte das bei jedem Anleger eine signifikante Rolle spielen, um das Risiko zu streuen. Abgesehen vom Immobilieninvestment mag ich natürlich Aktien, aber auch ETFs und Mischfonds. Zudem ist ein gewisses Maß an Cash auf einem Tagesgeldkonto nie verkehrt, auch in der aktuellen Niedrigzinsphase. Flexibilität ist schließlich auch wichtig.

Wenn Aktien: Welcher Typ Anleger bist du? Suchst du eher dein Glück indem du aktuellen Trends folgst oder setzt du eher auf “langweilige” Elefanten, wie Warren Buffet es ausdrücken würde?

Ich bin ein überzeugter langfristiger Aktien-Anleger. Also eher einer, der auf die “langweiligen” Elefanten setzt, wie Du so schön schreibst. Warren Buffet ist dabei ein gutes Stichwort. Von seinem Value-Investing-Ansatz bin ich sehr überzeugt. In anderen Worten: Ich halte Ausschau nach Aktien von starken etablierten Unternehmen, die gerade günstig zu haben sind. Trotzdem bin ich kein sturer Value-Anleger. Denn auch qualitativ hochwertige Trend-Aktien schaue ich mir gerne mal näher an. Und da Trends alles andere als langweilig sind, stellen Trend-Aktien eine gute Ergänzung zu den oft weniger spannenden Value-Aktien dar.

Du gibst auf deiner Seite keine konkreten Tipps für Aktien. Kann ich dir dennoch etwas entlocken, was du dir gerade genauer ansiehst?

Einen speziellen Tipp möchte ich nicht geben. Ich bin da etwas vorsichtig in der Öffentlichkeit. Und Aktienempfehlungen überlasse ich sowieso lieber den richtigen Aktienexperten. Mein Gebiet sehe ich eher im möglichst einfachen Vermitteln von Börsen- und Finanzgrundlagen. Trotzdem kannst Du mir was „entlocken“, wenn auch nichts Konkretes ;-)… bin momentan verstärkt interessiert an AGs mit starken Marken im Hintergrund, wo wir wieder bei Warren Buffett wären, der ja auch Fan von etablierten Marken ist. Aber wo er Recht hat, hat er Recht! 🙂

Vielen Dank für das Interview!

Foto: FreeImages.com/Chris Johnson

Kristian Kretschmann

beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Wirtschaft und wurde schnell Fan von Aktien, Aktienfonds und sonstigen Alternativen zum Sparbuch. Auf www.boersenblog.biz veröffentlicht er seine Gedanken zu interessanten Unternehmen, deren Aktien, sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das alles aber immer subjektiv und daher gilt: Alle Inhalte dienen nur zur Unterhaltung und stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzmarktinstrumenten dar. Gemäß §34b WpHG weise ich darauf hin, dass der Autor dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen hält oder halten könnte und somit ein möglicher Interessenkonflikt besteht. Erklärung von in diesem Artikel gebrauchter Börsenbegriffe.

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