Paion – wird aus einer Fledermaus ein Adler?

Das Biotech Unternehmen Paion wurde vor knapp 10 Jahren im Hype um Biotech an die Börse gebracht. Wichtigstes Produkt, bzw. Projekt war damals die Entwicklung eines Medikamentes zur Behandlung einer speziellen  Schlaganfall-Art. Paion erforschte damals am Stoff Desmoteplase, einem Bestandteil des Speichels von Fledermäusen. Der Stoff verhindert die Blutgerinnung bei Opfertieren und so wurde dann auch die Fledermaus das Erkennungszeichen von Paion.

Doch leider wurde aus dem Mittel nichts und so ging es dann auch schnell mit der Paion Aktie in den Sinkflug. Von 8 Euro Ausgabepreis bis auf wenige Cent, als das Unternehmen kurz vor der Pleite stand.

Paion wieder im Aufwind?

Seit einigen Wochen aber scheint wieder Leben in die Bude zu kommen. Paion meldete, dass Remimazolam, ein ultrakurz wirksames Betäubungsmittel kurz vor der Zulassung durch die US Behörden stehe und die Aktie schoss bis auf 3,40 in die Höhe. Hat sich das Warten nun gelohnt? Erleben wir hier die nächste Evotec, die fundamental neu bewertet Werten muss und dadurch ungeahnte Höhen erklimmt? Wenn man den vielen Analysten und Börsenblättchen glaubt, ja. Aber erstens kann es ja immer anders kommen, als man denkt und zweitens ist Denken bei der Geldanlage nicht das verkehrteste. Denn seit dem Sprung auf die 3,40 € ging es gleich wieder massiv abwärts. Innerhalb von 12 Tagen auf jetzt unter 2,90 €, also mal eben über 15 %. Da war die tolle Meldung wohl schon eingepreist und viele hatten sich schon positioniert.

Fledermaus - Paion lernt fliegen?

Paion – eine Fledermaus lernt fliegen?

Auch der Blick auf die Fundamentaldaten verheißt da nichts Gutes. Bei 3 € kostet die Aktie fast 5-mal so viel wie ihr Buchwert, das KGV wird vermutlich erst in 2019 positiv und weist dann sportliche 68 auf. Das Unternehmen würde also mit dem 68 fachen des Jahresumsatz bewertet, oder anders gesagt: Paion bräuchte 68 Jahre um das umzusetzen, was die Aktie kostet. Für Remimazolam werden übrigens  weltweit Umsätze  von 500 Mio US Dollar erwartet. Das Produkt  ist dann wohl eher ein Nischenmedikament, als ein Blockbuster und das wird Paion meiner Meinung ebenfalls bleiben. Ein kleiner Player mit geringer Marktmacht und zu wenig Umsatz. Einzig eine Strategie kann man bei Paion verfolgen: Durch den geringen Marktwert wird das Unternehmen bei Erfolg ein schnelles Ende finden und von einem Big Player gerissen werden. Dafür aber ist es immer noch zu früh und auch teuer.

Flattern statt Steigflug

Bei Kursen unter 1,40 € könnte man sich darum mal ein paar Stücke ins offensive Depot legen. Bei allen Vorschusslorbeeren, die man Biotech und Wachstumswerten so zugesteht, aber das Papier scheint mir immer noch sehr überbewertet zu sein. Das Flattern der Fledermaus dürfte noch einige Zeit andauern, aber für ausdauernde Steigflüge sind die Viecher ja auch nicht bekannt.

Foto: Cheryl Empey/freeimages.com

Kristian Kretschmann

beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Wirtschaft und wurde schnell Fan von Aktien, Aktienfonds und sonstigen Alternativen zum Sparbuch. Auf www.boersenblog.biz veröffentlicht er seine Gedanken zu interessanten Unternehmen, deren Aktien, sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das alles aber immer subjektiv und daher gilt: Alle Inhalte dienen nur zur Unterhaltung und stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzmarktinstrumenten dar. Gemäß §34b WpHG weise ich darauf hin, dass der Autor dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen hält oder halten könnte und somit ein möglicher Interessenkonflikt besteht. Erklärung von in diesem Artikel gebrauchter Börsenbegriffe.

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