Krimi auf der Krim – sind russische Aktien jetzt schon auf Einstiegsniveau?

Das Säbelrasseln auf der Krim ließ den Rubel rollen, allerdings gepflegt bergab auf ein Allzeittief. Und mit ihm zog er auch die Kurse der russischen Vorzeigeunternehmen wie Gazprom, Lukoil  oder  Sberbank zweistellig in den Abgrund. Nicht, daß Aktien wie Gazprom nicht bereits  vor der Krise spottbillig waren;  nein jetzt sehen sie mit einem Kurs Buchwert Verhältnis von 0,4 und einem Kurs Gewinn Verhältnis von 2,4 und einer Dividendenrendite von 7 ausgesprochen billig und zusehens verlockend aus. Die Talfahrt der russischen Bluechips hat auch dem  Aktienindex RTS  massiv zugesetzt, sodass sich nun die Frage stellt, ob der Ausverkauf bereits vorbei ist und ein Einstieg in den russischen Markt keine schlechte Idee wäre.

Russische Aktien sind extrem billig

Rubel

Rubel

Eine schlechte Idee ist der Einstieg in ein Energieunternehmen, das die halbe Welt mit Gas versorgt bestimmt nicht. Nur Gazprom ist leider kein unabhängiges Unternehmen, es gehört mehrheitlich dem Staat und ist daher der Politik wehrlos ausgeliefert.  Ein Beispiel: Im Zusammenhang mit der Krimkrise hat Gazprom ungewöhnlich schnell reagiert und den Discount auf Gaslieferungen an die Ukraine gestoppt. Gleichzeitig bot das Unternehmen der Ukraine einen Kredit an. Hört sich mehr nach einer Behörde als nach einem Unternehmen an.

Die Gazprom Aktie ist auf dem Niveau sicherlich verlockend, die politische Einflußnahme aber auch sehr gefährlich. Denkbar wäre z.B. auch eine Verstaatlichung des Unternehmens, falls es Putin ins Kalkül passt. Bei einer Enteignung der Aktionäre würde der starke Mann Russlands sicherlich nicht mit der Wimper zucken. Trotz der günstigen Bewertung hat die Aktie also ein enormes Gefahrenpotential. Jedem dem es momentan in den Fingern juckt, sollte sich darüber bewusst sein.

Einstieg in den Gesamtmarkt mit ETF

Bleibt die Möglichkeit mit einem ETF in den gesamten russischen Markt zu investieren. Doch auch das dürfte noch mit erheblichen Risiken einhergehen. Es ist ja nicht so, dass das Land vor der Krise vor Kraft strotze. Selbst die Ausgaben für das für Putin so wichtige Militär sind auf einem Rekordtief. Mit dem Säbelrasseln setzte zudem eine Kapitalflucht aus Russland ein, den die Zentralbank mit einer sofortigen Zinserhöhung konterte – vergeblich. Und das ist Putins Hauptkampfplatz: Er, der angetreten war Russland wirtschaftlich zu stärken, bekommt nun die Angst der Russen vor Inflation zu spüren. Ziehen die Preise an, wird er die Wut des Volkes spüren.

Krimkrise verschärft die russische Wirtschaftskrise

Neben der Kapitalflucht schwebt das Damoklesschwert von Wirtschaftssanktionen über Russland. Sollte es dazu kommen, würde der RTS sicherlich noch weiter abschmieren. Zwar dürfte ein Konter mit Rohstoffentzug nicht lange auf sich warten lassen, doch verfügt Europa auch über nicht zu knappe Vorräte. Es ist also kein großes Wunder, dass Putin erstmal auf Entspannung setzt. Und dennoch dürfte die Krise nicht spurlos an der russischen Wirtschaft vorbeigehen. Ich denke, dass es daher noch zu früh ist in den Gesamtmarkt zu investieren, schon gar nicht in Einzeltitel.

Eher einen Blick mehr wert sind global aufgestellte Aktien, die in der Krise mit nach unten gezogen wurden. So sieht sich z.B. Metro  jetzt zwar mit dem Verkauf seiner russischen Tochter vor Probleme gestellt, die allgemeinen Aussichten des Konzerns sind aber gut. Und auch Adidas sollte trotz großem Standbein in Russland eher von der Fussball Weltmeisterschaft in Brasilien profitieren, als von der Krimkrise. Und auch eine Stada verdient viel Geld in Russland – allerdings mit Medikamenten, also in einem nicht wirklich gefährdetem Bereich. Im Blick auf diese Aktien gilt: Kaufen wenn die Kanonen donnern. Die Korrektur könnte gute Einstiegsmöglichkeiten bieten, denn politische Börsen haben kurze Beine.

Es ist also alles immer einen zweiten Blick wert. Auch und besonders, sollte die Sache doch noch eskalieren, woran ich nicht glauben möchte.

Foto: 2happy / sxc.hu

Kristian Kretschmann

beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Wirtschaft und wurde schnell Fan von Aktien, Aktienfonds und sonstigen Alternativen zum Sparbuch. Auf www.boersenblog.biz veröffentlicht er seine Gedanken zu interessanten Unternehmen, deren Aktien, sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das alles aber immer subjektiv und daher gilt: Alle Inhalte dienen nur zur Unterhaltung und stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzmarktinstrumenten dar. Gemäß §34b WpHG weise ich darauf hin, dass der Autor dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen hält oder halten könnte und somit ein möglicher Interessenkonflikt besteht. Erklärung von in diesem Artikel gebrauchter Börsenbegriffe.

3 Responses

  1. Dean sagt:

    HI,

    die Krim wird eingegliedert und gegen Ende des Jahres haben die meisten es wieder vergessen.
    Genauso wie im Kosovo… das Spiel auf Zeit.

    Stabile Werte wie Medikamente, Dünger, Produkte die immer gebraucht werden sind bestimmt gut.

    Die Verlockung von Titeln die total eingebrochen sind ist natürlich schon sehr hoch. 🙂

  2. Danke für ihre Meinung zur Krimkrise. In wie weit die Krise eskaliert oder eingehegt wird lässt sich m.E. nicht voraussagen. Ein typisches Gefangenendilemma zw. EU/NATO und RUS, in das sich der Westen selbst gebracht hat, durch fehlende gemeinsame Ziele neben der reinen Expansionspolitik. Auch wenn das kein neuer Kalter Krieg wird, wurde bereits sehr viel Vetrauen zerstört. Das dauert bekanntlich am längsten wieder herzustellen. Und bis dahin werden wirtschaftliche Desintegration, Nadelstiche und ökonomische Gefechte (im Rahmen nichtmilitärischer Konflikbegegnung) beider Seiten stattfinden. Dies muss für Aktienmärkte aber nicht bedeuten auch zu sinken – in mehreren heißen Kriegen sind Aktienmärkte gestiegen – die Inflation wird angeheizt um den eigenen Finanzen und den eigenen Bürgern zu helfen und Staatsausgaben werden massiv hochgefahren – nur eben meist in anderen Branchen. So könnte ein höheres Energierisiko auch neue Gesetze im Westen für mehr Autarkie und Subventionierung der heimischen Energiebranche hervorbringen. Vielleicht wird noch mehr auf grüne Energie gesetzt um endlich von den fossilen Rohstoffen wegzukommen. Wie immer an der Börse, alles ambivalent.

    Bei Adidas greife ich aber zu. Diese extreme Delle ist nicht begründet und so ist das Unternehmen auch immer noch sehr fair bewertet und für langfristige Anleger eine Altersvorsorge.

    • Kristian Kretschmann sagt:

      Allerdings sollte man gerade bei adidas doch auch zweimal nachdenken. Erinnern wir uns an den letzten Sommer, als das Unternehmen sein Warenverteilzentrum in Moskau nicht rechtzeitig an den Start brachte und darum Umsatz- und Gewinnprognose revidieren musste. Das zeigt, wie abhängig adidas gerade von Russland ist. Mit gut einer Milliarde steuert das Land immerhin etwa 7% des Konzernerlöses bei. Dennoch bleibe ich dabei: Die Aktie wird im Laufe der Krimkrise vielleicht noch weiter sinken, doch langfristig sehen wir Einstiegskurse. Die Aktie ist immer vorne dabei, wenn große Sportereignisse stattfinden. Wie übrigens 2018, wenn die Fussball Weltmeisterschaft in – genau – Russland statt findet!

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