EZB erhöht den Strafzins für Guthaben – wohin mit der Knete?

Wohin mit der Knete? Aktuell versauern 2100 Milliarden Euro deutscher Sparer auf Tages- und Termingeldkonten. 2100 Milliarden oder wie wir Börsianer sagen: Zweimal Dax. Genau! Die 30 Dax Unternehmen bringen nämlich gerade einmal die Hälfte auf die Waage. Und was bekommt Michel Sparfuchs für sein Sicherungsgeschäft? Nichts, bzw. fast nichts. Mit Glück ein kleines Bonbon in Höhe von 0,05% – man traut es sich kaum zu sagen – Zinsen. Aber auch der Minizins steht auch auf der Kippe, es könnte sogar noch schlimmer kommen.

Negativzins auch für Sparer

Damit die Banken das billige Notenbankgeld auch an ihre Kunden durchreichen, hat die EZB nämlich den Einlagenzins ins Negative gedreht. Das bedeutet, Geschäftsbanken müssen für ihre Einlage bei der EZB Geld berappen. 0,4 % sind es aktuell, mit der Tendenz auf eher mehr. Doch die Banken halten die Knete zusammen und so stellt sich die Frage wie man die Ausgaben für die Zinszahlungen abfedert. Durchreichen an die Sparer – das trauen sich die Banken nicht – noch nicht! Aber das könnte sich ändern. Sobald einer damit anfängt ist der Bann gebrochen, wetten? Bis dahin erhöhen die Kreditinstitute eben die Kosten für Services. Mal sehen, wie lange es das kostenlose Girokonto noch geben wird.

Strafzinsen

Bei Strafzinsen macht Sparen keinen Sinn mehr. Suchen Sie sich heute schon mal Alternativen, bevor es alle tun.

Spätestens dann aber sieht sich auch der letzte Sparer der Frage gegenüber: Wohin mit der Knete? Auf dem Konto wird das Guthaben bei Negativzinsen jedenfalls immer mehr schmelzen. Das wird den Leidensdruck dann aber gehörig erhöhen. Denn Hilfe von Papa Staat wird kaum zu erwarten sein. Der freut sich nämlich, dass er sich immer mehr zum Quasi Nulltarif verschulden kann. Auch bei vielen Anleihen vom Bund muss man mittlerweile tatsächlich Geld mitbringen, denn auch sie rentieren im negativen Terrain. Man bekommt also am Ende der Laufzeit weniger Geld zurück, als man verliehen hat. Aber man bekommt es zurück. Das alleine reicht schon. Wahnsinn.

Wenn Rendite, dann mit Aktien

Hilfe verspricht tatsächlich nur die von den Deutschen wenig geliebte Aktie oder „das Teufelszeug“, wie es mein Onkel mal nannte. Ja, Aktien können schwanken, aber das muss man einfach mal mitmachen um zu sehen, dass der Paternoster nur durch den Keller fährt und nicht dort endet. Außerdem bietet jede Kursdelle auch ein gewaltiges Chance-Potential. Wir sollten im Angesicht der drohenden Negativzinsen langsam beginnen das ganze Cash umzuschichten. Wann aber wird der beste Zeitpunkt sein? Jetzt, würde ich sagen, denn wenn die Erkenntnis erstmal bei der breiten Masse angekommen ist, dürften die Kurse schon sehr weit höher stehen als heute.

Oder sind Sie der Meinung, dass alles kommt so bestimmt nicht? Heute wurde bekannt, dass die Münchener Rück versicherung (MüRü) angesichts der Strafzinsen der Europäischen Zentralbank einen zweistelligen Millionenbetrag cash in ihren Tresoren bunkert. Die MüRü will so den Negativzinsen entgehen. Auch von privater Seite aus hat bereits ein Run auf Bankschliessfächer eingesetzt, wie das Handelsblatt heute berichtet.

Gleichzeitig wird europaweit überlegt, den 500 Euro Schein abzuschaffen, ja sogar von der kompletten Abschaffung des Bargeldes ist die Rede. Man muss nur die einzelnen Puzzleteile zusammenlegen, dann wird das Bild immer klarer. Am Ende ist das Ziel die Enteignung der Sparer, denn ohne Bargeld ist es unmöglich den negativen Zinsen zu entkommen.

Bleiben Sie auf der Hut, aber warten Sie nicht zu lange mit den Entscheidungen. Etwas mehr Risiko wird sich am Ende auszahlen.

Foto: Marc Garrido i Puig / freeimages.com

Kristian Kretschmann

beschäftigt sich seit über 15 Jahren mit Wirtschaft und wurde schnell Fan von Aktien, Aktienfonds und sonstigen Alternativen zum Sparbuch. Auf www.boersenblog.biz veröffentlicht er seine Gedanken zu interessanten Unternehmen, deren Aktien, sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen. Das alles aber immer subjektiv und daher gilt: Alle Inhalte dienen nur zur Unterhaltung und stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzmarktinstrumenten dar. Gemäß §34b WpHG weise ich darauf hin, dass der Autor dieses Blogs Aktien der jeweils angesprochenen Unternehmen hält oder halten könnte und somit ein möglicher Interessenkonflikt besteht. Erklärung von in diesem Artikel gebrauchter Börsenbegriffe.

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